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Bürgersteiggärten

Nach unserem Aufenthalt in einem sorgfältig gestalteten Hotelneubau in Tokio bezogen wir in Kyoto eine etwas andere Unterkunft. Zwei Wochen lang wohnten mein Engländer und ich im Erdgeschoss eines knarrenden, alten Holzhauses in einer der engen Straßen, die das Zentrum von Kyoto füllen. Die Gegend erwies sich als eine wilde Mischung aus zweistöckigen Wohngebäuden verschiedener architektonischer Stile, durchsetzt mit Handwerksbetrieben und dem einen oder anderen exklusiven Restaurant, das sich hinter traditionellen Holzgittern versteckte. Dies war nicht, was das örtliche Fremdenverkehrsamt als das „gut erhaltene traditionelle Kyoto“ anpries. Hier wohnten Menschen.

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Dies war nicht, was das örtliche Fremdenverkehrsamt als das „gut erhaltene traditionelle Kyoto“ anpries. Hier wohnten Menschen.
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Das Leben war ruhig, selbst für japanische Verhältnisse. Alles schien miniaturisiert, Straßen, Häuser, sogar die Autos waren so ausgewählt, dass sie in die winzigen Garagen unter den Gebäuden passten. Man ging zu Fuß oder fuhr Fahrrad, und wenn ein Auto vorbeikam, tat es das langsam und mit elektrischer Ruhe. Die Mitte von Kyoto – einer Stadt mit fast 1,5 Millionen Einwohnern – fühlte sich an wie ein Dorf.

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Die dichte Bebauung ließ keinen Platz für Gärten. Aber es gab Pflanzen – in Töpfen. Sie standen vor fast jedem Haus, meist in Gruppen neben der Haustür. Einige Häuser waren fast vollständig von einer Sammlung von Kästen und Töpfen umgeben, die alle dicht bepflanzt waren. Wir fanden die unterschiedlichsten Pflanzen: von Petunien und Pelargonien bis hin zu Agapanthus, Jasmin und Feige. Sogar bemerkenswert große Ahorn-Bäume wuchsen in den Pflanzgefäßen.

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Die dichte Bebauung ließ keinen Platz für Gärten. Aber es gab Pflanzen – in Töpfen. Sie standen vor fast jedem Haus, meist in Gruppen neben der Haustür.
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Die meisten Pflanzen in diesen improvisierten Vorgärten waren gesund und sichtbar gut gepflegt. Im Gegensatz dazu sahen die Töpfe oft aus wie ein Durcheinander aus abgebrochenen Kanten und ausgebleichtem Plastik. Ich fragte mich, warum. Vandalismus schien in der japanischen Gesellschaft nicht zu existieren. Vielleicht war es die Wertschätzung von Unvollkommenheit und Vergänglichkeit, die Wabi-Sabi-Ästhetik, die für westliche Betrachter so schwer zu verstehen ist. Oder die Gärtnerinnen und Gärtner interessierten sich einfach nicht für die Töpfe jenseits der Tatsache, dass sie es ihnen ermöglichten, auf der Straße zu gärtnern. Ich mochte die Idee, dass Pflanzen das Einzige waren, was zählte.

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Die meisten Pflanzen in diesen improvisierten Vorgärten waren gesund und sichtbar gut gepflegt. Im Gegensatz dazu sahen die Töpfe oft aus wie ein Durcheinander aus abgebrochenen Kanten und ausgebleichtem Plastik. Ich fragte mich, warum.
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Zu Beginn unserer Reise hatte ich in Tokio keine Topfpflanzen in den Straßen bemerkt. Jetzt, nach der Rückkehr aus Kyoto, war mein Blick geschärft und ich entdeckte sie – allerdings an unerwarteten Stellen. Zwischen allen Gebäuden, egal wie hoch oder schmal, gab es hier kleine Lücken, wahrscheinlich um Erdbebenschäden zu vermeiden. Diese Spalten waren dunkel und alles andere als ideal für Pflanzen. Aber in einer Gesellschaft, in der jeder extrem darauf achtet, anderen keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, hatten diese Spalten wohl den Vorteil, daß ein oder zwei Pflanzen hineingequetscht werden konnten, ohne Fußgängern im Weg zu sein. Ähnliche Orte waren überall in Tokio mit Pflanzen gefüllt. Sie standen neben Getränkeautomaten und Klimaanlagen, unter Geländern und um Parkuhren herum.

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Zu Beginn unserer Reise hatte ich in Tokio keine Topfpflanzen in den Straßen bemerkt. Jetzt, nach der Rückkehr aus Kyoto, war mein Blick geschärft und ich entdeckte sie – allerdings an unerwarteten Stellen.
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Einige Gärtner waren jedoch mutiger. Sie stellten Blumentöpfe mitten auf die Gehwege – allerdings immer durch mindestens einen farbigen Warnkegel gesichert. Nicht weit von unserem Hotel fiel mir ein noch gewagteres Pflanzenarrangement auf. Jemand hatte jeden Quadratzentimeter links und rechts des gläsernen Eingangs eines Bürogebäudes mit Pflanzen in unterschiedlichen Gefäßen gefüllt. Irgendwann hatte der Platz anscheinend nicht mehr ausgereicht, denn auch eine benachbarte Verkehrsinsel war mit ähnlichen Pflanzen vollgestellt.

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Einige Gärtner waren jedoch mutiger. Sie stellten Blumentöpfe mitten auf die Gehwege – allerdings immer durch mindestens einen farbigen Warnkegel gesichert.
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Jemand hatte jeden Quadratzentimeter links und rechts des gläsernen Eingangs eines Bürogebäudes mit Pflanzen in unterschiedlichen Gefäßen gefüllt. Irgendwann hatte der Platz anscheinend nicht mehr ausgereicht, denn auch eine benachbarte Verkehrsinsel war mit ähnlichen Pflanzen vollgestellt.
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Während sich Topfpflanzen im dörflich anmutenden Zentrum von Kyoto wie eine romantische Ergänzung angefühlt hatten, wirkte das Aufstellen von Topfpflanzen in den Straßen Tokios wie ein Akt der Rebellion, ein bisschen wie Graffiti. Einzelne Einwohner setzten Zeichen im anonymen öffentlichen Raum, aber mit Pflanzen statt Sprühfarbe.

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Während sich Topfpflanzen im dörflich anmutenden Zentrum von Kyoto wie eine romantische Ergänzung angefühlt hatten, wirkte das Aufstellen von Topfpflanzen in den Straßen Tokios wie ein Akt der Rebellion, ein bisschen wie Graffiti.
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Einzelne Einwohner setzten Zeichen im anonymen öffentlichen Raum, aber mit Pflanzen statt Sprühfarbe.
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Dies ist der zweite Teil eines zweiteiligen Fotoessays über Pflanzen in japanischen Städten (erster Teil hier). Das Essay ist Teil einer Serie über Gärten in Japan.

Pflanzen vor Wänden

Vor unserer Reise nach Japan hatte ich nicht erwartet, in den Straßen der Städte gärtnerisch Interessantes zu finden. Vor Ort war ich dann sofort fasziniert von dem Zusammenspiel aus strikter Ordnung und wildem Überschwang. – Dies ist der erste Teil eines zweiteiligen Fotoessays über Pflanzen in japanischen Städten.