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Wie ich meinen eigenen Garten fand

Vor mir lag eine Wiese, vielleicht 200 Quadratmeter groß, mit Farnen an den Rändern und zwei Obstbäumen in der Mitte. Die Wiese war von alten, teilweise mit Efeu bewachsen Backsteinmauern umgeben. Dahinter waren die Bäume der benachbarten Gärten zu sehen. Die Sonne schien, die Luft war voller Vogelgezwitscher, es war ein Paradies!

Ich blätterte durch Online-Immobilienanzeigen, so machte ich das seit Monaten, regelmäßig. Meine Mutter war gerade in ein Seniorenheim umgezogen und ich war dabei, unser Haus samt Garten zu verkaufen. Nun versuchte ich für mich eine kleine Wohnung in Düsseldorf zu finden. Es war schwierig. Ich wollte ein wenig Grün, etwas Natur vor dem Fenster, vielleicht sogar einen Balkon. Aber all das war optimistisch gedacht. Nur mit Glück würde ich in diesem überhitzten Wohnungsmarkt überhaupt etwas finden. Ich wusste allerdings, dass ich keines der vielen angebotenen Apartments mit Blick auf einen Parkplatz haben wollte.

Eine Wiese in der Stadt
Eins der ersten Fotos, die ich von meinem Garten gemacht habe
Eine Wiese in der Stadt
Das Bild aus der Immobilienanzeige

Als ich mich durch die Angebote klickte, stieß ich auf eine unscheinbare Wohnung, die offensichtlich einer vollständigen Renovierung bedurfte. Aber sie hatte einen Balkon mit Blick auf einen Garten! Dort konnte ich mir vorstellen zu wohnen. Ich klickte auf die restlichen Bilder der Anzeige. Das letzte zeigte einen Garten, einen anderen als den auf dem Balkonbild: eine Wiese mit ein paar Bäumen, vielleicht Obstbäumen, umgeben von hohen Backsteinmauern. Das sah wunderbar aus! Gehörte dieser Garten zu der Wohnung? Es schien mir eher unwahrscheinlich. Vielleicht hatte der Immobilienmakler das Foto versehentlich in die Liste aufgenommen? Eine Besichtigung zu arrangieren, würde dennoch nicht schaden.

Ein paar Tage später stand ich in einer belebten Straße und wartete auf den Makler. Straßenbahnen ratterten vorbei, es war laut, ich war im Zentrum von Düsseldorf. Als der Makler schließlich die Wohnungstür aufschloß, sah ich sofort, daß ich Recht gehabt hatte mit der Renovierungsbedürftigkeit. Aber das störte mich nicht. Ich ging durch auf den Balkon. Sofort hörte ich Vogelgezwitscher. Alles war grün: ein Rasen, umgeben von Sträuchern und eine riesige Platane in der Ecke.

‘Ich muss Ihnen noch den Garten zeigen’, sagte der Makler. Ich versuchte, meine Aufregung zu verbergen, als ich ihm aus der Wohnung heraus, an Mülleimern und Fahrrädern vorbei in den Teil des Gartens folgte, den ich vom Balkon aus gesehen hatte. Gehörte das letzte Bild der Anzeige vielleicht doch zu der Wohnung? Ich ging hinter dem Makler her um eine Ecke, und plötzlich stand ich genau dort, wo das Foto aufgenommen worden war. Vor mir war eine Wiese, vielleicht 200 Quadratmeter groß, mit Farnen an den Rändern und zwei Obstbäumen in der Mitte. Die Wiese war von alten, teilweise mit Efeu bewachsen Backsteinmauern umgeben. Dahinter waren die Bäume der benachbarten Gärten zu sehen. Die Sonne schien, die Luft war voller Vogelgezwitscher, es war ein Paradies!

Mit viel Glück gelang es mir, die Wohnung samt Garten im Herbst 2017 zu kaufen.

Eine Wiese in der Stadt
Eine Wiese in der Stadt

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Mein Garten hatte sich schon immer magisch angefühlt, vom ersten Moment an, als ich ihn in Begleitung des Immobilienmaklers betrat. Aber in diesen warmen Nächten im Hochsommer mit dem zusätzlichen Zauber der unerwartet hohen Wiese erschien mir mein Garten wie aus einer anderen Welt.

Der Versuch, Vielfalt zu schaffen

Ich beschloss genau dort, in dieser Gras-Monokultur, zu versuchen, mehr Pflanzenvielfalt zu schaffen. Wenn es mir gelänge, die Bepflanzung dieses Teils des Gartens zu diversifizieren, würde der Garten für mich schöner werden und Insekten vielfältigere Lebensräume bieten. Das wäre die perfekte Balance zwischen meinen Bedürfnissen und denen des Ökosystems, das mein Garten war.