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WAS IST BISWEILEN?

BISWEILEN ist Ausdruck meiner Gartenbegeisterung.

Große Teile meiner Kindheit verbrachte ich mit meiner pflanzenbegeisterte Großmutter in unserm weitläufigen Garten unweit von Düsseldorf. Was mir damals selbstverständlich erschien, sehe ich heute als den Beginn meiner Liebe zu Pflanzen.

Als Erwachsene füllte ich meine zunächst Garten-losen Wohnungen mit Bananenstauden und Palmen, besuchte die Gewächshäuser botanischer Gärten und reiste, sobald ich konnte, bis in den Dschungel des Amazonas. Während meine Mitreisenden fasziniert auf Krokodile und Capybaras starrten, schaute ich mir in der anderen Richtung die Pflanzen an.

Dann kam ich nach England und plötzlich öffnet sich eine neue Welt der Gartenkultur. Großbritannien hatte ein grundsätzlich anderes Verhältnis zum Gärtnern als Deutschland. Gärten waren allgegenwärtig, von überwältigender Vielfalt und atemberaubend hohem Standard. Langsam verstand ich, daß Gärtnern soviel mehr sein kann als Gemüseanbau und Zimmerpflanzen.

Meinen ersten eigenen Garten legte ich hinter einem kleinen Londoner Reihenhaus an. Wenig später lernte ich einen Engländer kennen, der von Pflanzen genauso begeistert ist wie ich. Unsere liebste gemeinsame Beschäftigung ist der Besuch von Gärten, auf den britischen Inseln, oder wo immer sonst in der Welt wir gerade sind. Im letzten Jahr erfüllte sich ein lange gehegter Traum und wir verbrachten mehrer Wochen in den Gärten Japans.

Derzeit lebe ich in Düsseldorf und London und gärtnere an beiden Orten: In Düsseldorf versuche ich in meinem eigenen Garten mitten im Zentrum die Artenvielfalt zu stärken. Außerdem bin ich mit einer Gruppe von Freunden an einem verwilderten Schrebergarten in den Rheinauen beteiligt. Ein gärtnerischer Gegenentwurf ist ein kleiner, pflegeintensiver Garten voller exotischer Blüten, den ich zusammen mit meinem Engländer in London gestalte und pflege.

Um mein gärtnerisches und vor allem mein botanisches Wissen zu erweitern, studiere ich derzeit für das RHS Level 2 Certificate in the Principles of Horticulture.

BISWEILEN ist ein Kunstprojekt.

In meiner künstlerischen Arbeit untersuche ich das Glück an den Rändern des Alltäglichen und sein Potenzial für individuelle und soziale Veränderungen (siehe nolden.com).

Zu gärtnern, Zeit in Gärten zu verbringen oder auch nur Pflanzen anzusehen, empfinde ich als zutiefst positiv. In der Serie ‘Mein eigener Garten’ halte ich meine gärtnerischen Erfahrungen und Erinnerungen schriftlich und bildlich fest.

In gleichem Maße interessiert mich die Rolle von Gärten für den individuellen Ausdruck und das Glück Anderer. In der Serie ‘Menschen mit Pflanzen’ porträtiere ich Garten-Interessierte. Ihre Gärten müssen nicht groß oder grandios sein. Sie müssen nicht mal einen Garten im traditionellen Sinn haben. Es geht um die Leidenschaft der einzelnen Gärtnerin und des einzelnen Gärtners. Mich interessiert, warum Menschen gärtnern und wie unterschiedlich ihre Herangehensweisen dabei sind.

Für mich ist es ein Vergnügen, Gärten zu besuchen, vor allem die gestalterisch herausragenden. Die Serie ‘Gärten von Bedeutung’ ist eine Sammlung meiner Gartenbesuche, meist in England aber auch in Japan und anderswo. Neben dem direkten Erleben jedes einzelnen Gartens interessieren mich die zu Grunde liegenden Design-Ideen und Konzepte.

Inspiriert durch Besuche historischer Gärten begann ich über die Geschichte der Gartenkunst zu lesen und fand überraschende Parallelen zu gesamt-kultureller Entwicklungen. Heißt das im Umkehrschluss, daß Gärten Testfelder für die Lösung gesellschaftlicher Fragen sein können? In der Serie ‘Weitere Garten-Gedanken’ beschäftige ich mich mit dieser Frage.

Mir fällt menschliche Interaktion mit Pflanzen überall auf, auch dort wo sie unspektakulär und anonym ist: neben Autobahnen, auf Bürgersteigen, im Wald und anderswo. Gärten liegen an der Schnittstelle von Natur und Kultur, aber diese ‘Pflanzen im Vorbeigehen’ werfen die Frage auf: Was ist eigentlich ein Garten?

BISWEILEN ist ein Wort.

Die elegante Gelassenheit, mit der das Wort ‘bisweilen’ die Beschreibung von etwas Besonderem einleitet, ist für mich wie das Gefühl beim Betreten eines Gartens.

Ulla Nolden